Man nehme eine Grippewelle, eine Handvoll Verletzungen und einen Kader, der am Samstagmorgen eher nach Skatrunde als nach Volleyballmannschaft aussah. Mit exakt acht Spielern und genau einer echten Mitte machte sich die VSG Mannheim 1 auf den Weg zum Verbandspokal. Die Ersatzbank bestand im Wesentlichen aus Trinkflaschen und Optimismus.
Weil man aber mit einer Mitte bekanntlich nur halb so gut blockt, wurde kurzerhand improvisiert: Unsere Zuspieler Seb und Tobi durften jeweils ein Spiel lang erleben, wie sich das Leben am Netz anfühlt, wenn man den Ball nicht verteilt, sondern selbst abbekommt. Beide haben sich tapfer geschlagen und zeigen seitdem deutlich mehr Verständnis für ihre Mittelblocker, wenn die mal wieder zu spät im Schnellangriff sind.
Spiel 1: Heidelberg 4 – der direkte Konkurrent
Gleich zum Auftakt ging es gegen Heidelberg, also gegen die Mannschaft, gegen die man eigentlich nicht verlieren möchte. Der erste Satz war ein Krimi, den wir mit 25:23 knapp nach Hause brachten.
Im zweiten Satz sah es dann lange so aus, als würden wir den Heidelbergern einen Satz schenken. Beim Stand von 13:19 hatten sich die ersten auf dem Feld gedanklich schon in den Tie-Break verabschiedet. Doch dann kam der Auftritt unserer dritten Herren, die am selben Turnier teilnahm und offenbar beschlossen hatte, dass Anfeuern eine olympische Disziplin ist. Was von der Tribüne kam, bewegte sich lautstärketechnisch irgendwo zwischen Fußballkurve und startendem Düsenjet. Die Heidelberger wussten plötzlich nicht mehr, ob sie in einer Sporthalle oder in einem Hexenkessel stehen, und wir wussten plötzlich wieder, wie Volleyball geht. Punkt um Punkt kämpften wir uns heran, und weil 25 Punkte nach so einem Comeback viel zu wenig Drama gewesen wären, ging es in die Verlängerung, bis wir nach einem nervenzerfetzenden 30:28 den Deckel draufmachten.
Das Spiel war vor allem ein Duell der Diagonalen. Auf beiden Seiten wurde draufgehauen, als gäbe es für jeden Angriff Bonuspunkte. Am Ende wurden folgerichtig beide Diagonalspieler zum MVP gekürt, auf unserer Seite Jordan, der den Ball so konsequent in die gegnerische Hälfte beförderte, dass die Heidelberger Annahme vermutlich heute noch blaue Unterarme hat.
Eine traurige Nachricht gibt es aus diesem Spiel allerdings auch: Sebs legendäre 100-Prozent-Killquote ist tot. Sie überlebte das komplette Training und ein Vorbereitungsturnier, nur um im ersten ernsthaften Spiel der Saison unter tragischen Umständen zu verscheiden. Wir werden sie vermissen. Seb nimmt Beileidsbekundungen in Form von hohen, sauberen Pässen entgegen.
Spiel 2: SG Sinsheim
Im zweiten Spiel wartete die SG Sinsheim, und wer dachte, wir machen es diesmal kurz und schmerzlos, kennt diese Mannschaft schlecht. Warum 2:0 gewinnen, wenn man auch über drei Sätze gehen kann? Mit schwindenden Kräften, aber ungebrochener Moral kämpften sich unsere acht Helden zum 2:1-Sieg und bewiesen damit, dass Kadergröße überbewertet wird.
Fazit
Zwei Spiele, zwei Siege, Gruppenerster. Mit acht Leuten, einer Mitte und zwei Zuspielern im Nebenjob. Wir sind stolz, müde und wünschen allen Verletzten und Kranken gute Besserung. Kommt bald zurück, wir brauchen euch dringend, und sei es nur, damit Seb und Tobi wieder zuspielen dürfen.
Ein riesiges Dankeschön geht an unsere dritte Herren, die offiziell als neunter, zehnter und elfter Mann gewertet werden sollte. Ohne euch hätten wir diesen zweiten Satz nie gedreht, und eure Stimmbänder haben sich hoffentlich inzwischen erholt.


