Eigentlich war alles anders geplant. Ich war bereits fest in 2 Haßlocher Teams verankert , hatte meine Saison strukturiert, und ein Oberliga-Team zu übernehmen stand definitiv nicht auf meiner Agenda. Doch manchmal klopft das Leben nicht an – es tritt die Tür ein.
Keine Vorbereitung, keine Übergabe, keine Zeit für Zweifel. Nur ein Team, das ohne Trainer dastand und jemanden brauchte, der Verantwortung übernimmt und das nur 2 Wochen vor Saisonstart. Die beiden Wochen waren ein Balanceakt zwischen Struktur geben und Chaos zulassen. Zwischen Anspruch und Realität. Zwischen meinem eigenen Perfektionismus und der Tatsache, dass wir alle improvisierten. Diese unerwartete Übernahme hat mich verändert. Sie hat mich gelehrt, dass Führung nicht immer aus Planung entsteht, sondern manchmal aus dem Mut, in ein unbekanntes Feld zu treten und zu sagen: „Wir schaffen das. Zusammen.“
Ich sah im Laufe der Saison Spielerinnen, die über sich hinauswuchsen. Ich sah Momente, in denen wir uns gegenseitig getragen haben. Und ich sah, wie aus Unsicherheit Mut wurde.
Die Saison 2025/2026 begann für die Damen 1 der VSG Mannheim unter besonderen Vorzeichen, seit Monaten ohne Trainer. Ein neu zusammengestelltes Team, gleich 6 Spielerinnen ohne Oberligaerfahrung, mussten ihr Können unter Beweis stellen. Und Ich als Interimstrainer, der 2 Wochen vor Saisonstart einstieg und dem Umfeld wieder Stabilität gab. Schnell war klar Interims wird es nicht bleiben. Niemand wusste so recht, wohin die Reise gehen würde — aber alle spürten, dass in dieser Gruppe mehr steckt, als die Tabelle am Ende zeigen würde.
Trotz der Umstände gelang es uns, innerhalb weniger Wochen, eine gemeinsame Spielidee zu entwickeln, Rollen klarer zu definieren und Trainingsprozesse zu stabilisieren. Die Saison war eine Mischung aus Lernkurve, Widerstandskraft und spürbarer Entwicklung. Es war eine Saison am Limit, mit vielen engen Spielen und einem ständigen Kampf darum, in der Liga sich zu behaupten.
In der Hinrunde war deutlich zu spüren, dass die Mannschaft noch ihren Rhythmus suchte. Es gab Spiele, in denen der Respekt vor den Topteams zu groß war und man zu spät ins eigene Spiel fand. Partien, in denen wir über weite Strecken mithalten, Sätze knapp abgaben und am Ende trotzdem ohne Punkte dastanden. Genau diese Spiele waren schmerzhaft, aber sie waren auch der Beginn der Entwicklung. Wir haben gespürt, dass wir mit den oberen Teams mithalten können.
Im Verlauf der Saison häuften sich die 5-Satz Matches, in denen nur Kleinigkeiten den Unterschied machten. Gerade gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte gab es Begegnungen, in denen wir uns deutlich besser verkauft haben, als es die Tabelle vermuten lässt. Diese knappen Niederlagen waren sportlich bitter, aber sie haben unsere Entwicklung beeinflusst.
Gegen die Top Teams der Liga präsentierte sich die VSG Mannheim überraschend mutig.
Im Heimspiel gegen Heidelberger TV 2 – Meister der Saison – hielten wir über weite Strecken mit, verloren aber in den entscheidenden Momenten die Präzision. In Heidelberg jedoch gelang uns eines der besten Spiele der Saison. Starke Block- und Aufschlagserien, ein Gegner, der überrascht war. Das Trainerteam des HTV war sichtlich verzweifelt. Bei einer 2:1 Führung nach Sätzen und einem Spielstand von 23:24 im vierten waren wir mit uns selbst und der Situation überfordert. Die letztendliche 2:3 Niederlage, war ein Wendepunkt: Das Team merkte, dass es mit jedem Gegner mithalten kann.
Gegen USC Freiburg – Tabellenzweiter – bekamen wir in der Vorrunde noch eine Klatsche, doch das Rückspiel in Freiburg war eines der emotionalsten Matches der Saison. Nach einem klar verlorenen ersten Satz kämpfte sich das Team zurück, gewann Satz zwei und verlor Satz drei nur 24:26. Im vierten Satz zerlegten wir Freiburg, sie waren uns Athletisch nicht gewachsen, wir hatten sie gebrochen. Obwohl die Breisgauer im Schnitt einen Kopf größer waren als wir, waren wir stärker, schneller und vor allem mutiger.
Diese Leistung gegen die beiden besten der Liga zeigten: Wir sind nicht mehr das Team, das sich klein macht. Wir können Druck erzeugen und siegen, wenn wir mutig bleiben.
Das Lizenz-Drama – ein Sieg, der uns genommen wurde.
Ein zentrales, dramatisches Kapitel dieser Saison ist das aberkannte Spiel wegen einer ungültigen internationalen Lizenz. Sportlich hatten wir uns diesen Sieg auf dem Feld erarbeitet – mit allem, was dazu gehört: Vorbereitung, Einsatz, Emotionen, Risiko in den entscheidenden Momenten. Dass dieses Spiel im Nachhinein aus formalen Gründen gestrichen wurde, trifft doppelt: Es fehlen nicht nur die Punkte in der Tabelle, sondern auch die sichtbare Belohnung für eine starke Leistung.
In einer ohnehin engen Saison wie dieser wog so ein Verlust schwer. Punktgleich mit dem Tabellenletzten, war klar: Jeder einzelne Punkt hätte die Situation entspannen können. Der aberkannte Sieg verschiebt die Wahrnehmung der Saison nach außen – intern wussten wir aber, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Für unser Selbstvertrauen war dies enorm wichtig.
Steigerung zum Saisonende ein Team wächst über sich hinaus
Knappe Niederlagen und Lizenz-Drama – wurden nicht als Ausrede genommen, sondern als Antrieb. Aus einer Mannschaft ist ein Team geworden, das seinen Platz in der Liga aktiv einfordert. Ab Februar änderte sich. Die Trainingsprozesse waren gefestigt, die Automatismen griffen, die Spielerinnen übernahmen mehr Verantwortung.
Besonders deutlich wurde die Entwicklung in der Schlussphase der Saison. Die Annahmen wurden stabiler, die Abstimmung in Annahme und Block/Feldabwehr besser, und auch mental war eine andere Präsenz zu spüren. Wir haben angefangen, unsere eigene Identität als Team zu finden: mutiger im Aufschlag, konsequenter im Sideout, emotionaler Zusammenhalt auf dem Feld. Die letzten vier Spiele zeigten eine Mannschaft, die reifer und taktisch klarer agierte als zu Saisonbeginn. Es gelangen uns dadurch 3 Siege und eine 2:3 Niederlage.
Die Abschlusstabelle – ein Platz, der nicht die ganze Wahrheit erzählt
Die VSG Mannheim schließt die Saison auf Platz 9 ab. Auf dem Papier wirkt das ernüchternd. Doch die Tabelle zeigt nur Zahlen — nicht die Entwicklung, nicht die knappen Spiele, nicht die Lizenzpanne, nicht die Steigerung. Ohne den Punktabzug und mit nur zwei gedrehten Tie-Breaks wäre Mannheim im sicheren Mittelfeld gelandet. (Hätte hätte Fahrradkette)
2025/2026 war eine Saison des Lernens, des Wachsens und des Zusammenrückens. Eine Saison, in der ein Team, das niemand auf dem Zettel hatte, bewiesen hat, dass es in der Oberliga bestehen kann.
Der Trainer
Jeden Tag eine Trainingseinheit, Freitag sogar zwei und jedes Wochenende ein Spiel, waren der Höhepunkt meiner Laufbahn und ich sage deshalb ade. Es war eine große Bereicherung in meinem Leben und eine Ehre dieses Team führen zu dürfen.
Vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben. Insbesondere Andreas Hollstein, der mich regelmäßig als Co-Trainer auf den Spieltagen unterstützte. Danke an Nils und Mishell, die mir stets ihre Unterstützung anboten (Organisation, Sparingspartner, …). Danke an die vielen Fans, welche uns stetig den Rücken gestärkt haben. Und danke an Robert, Theresa und Francesca, die nie das Vertrauen in mich verloren.
Der größte Dank geht allerdings an das Team, das mich emotional alles durchleben ließ, was nur denkbar ist. (#1 Jacky, #2 Vero, #3 Jessy, #4 Keddi, #5 Sarah, #6 Franc, #7 Alexa, #8 Ceylan, #9 Katja, #10 Theresa S., #12 Theresa B., #13 Sandy, #14 Annika, #16 Maike)


